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Von Läusen und Menschen (2004) Drucken
Vor 200 Jahren haben sie Napoleons Russlandfeldzug gehörig vermasselt. Heute sorgen sie gelegentlich für kriegsähnliche Zustände unter den Eltern befallener Schulkinder. Seit Jahrtausenden versteht es die Laus, sich regelmässig ins Gespräch zu bringen und seine Wirte bis aufs Blut zu ärgern.
Auch wenn wir heute in Europa, anders als Napoleon, keine durch Läuse übertragene Fleckfieberepidemien mehr befürchten müssen verursacht die Kopflaus doch einiges Kopfzerbrechen. Ein kurzes Zusammenstecken zweier Kinderköpfe genügt der 2 bis 6 mm grossen Laus nämlich, um diskret aber erstaunlich flink den Wirt zu wechseln. Dabei hält sie sich streng an den Menschen;Tiere, Sofa, Hüte und Autopolster interessieren sie kaum – die Kopflaus überlebt ohne menschliches Haupt keine 48 Stunden.

10 Nachkommen täglich

Spätestens wenn sich das arme Opfer unaufhörlich am Kopf zu kratzen beginnt ahnen wir, dass die Laus mit ihrer Familienplanung begonnen hat. Das Kopflaus-Weibchen klebt mit einem leimähnlichen
Sekret pro Tag bis 10 Eier, genannt Nissen, an den Haarschaft. Beliebte Wohnquartiere sind der Nacken und die Region hinter den Ohren – sonnigere Plätzchen mag die Laus hingegen nicht. Nach durchschnittlich 17 Tagen entsteht aus der Nisse via Larven- und Nymphenstadium eine Junglaus, welche bereits nach 2 Tagen selber geschlechtsreif ist – muss sie auch, denn sie lebt jetzt nur noch 10 Tage. Alle zwei Stunden genehmigt sich die Laus eine Blutmahlzeit aus der Kopfhaut des Menschen. Dabei hinterlässt sie Speichel und Fäkalien, welche zu äusserst heftigem Juckreiz führen können.

Abb 1: Nisse einer Kopflaus
  Abb 1: Nisse einer Kopflaus

Die Jagd beginnt!

Sobald die Diagnose des Kopflausbefalls gestellt ist werden Game-Boy und Schminkkästchen zur Seite gelegt und durch Läusekamm und Lausshampoo ersetzt. Dabei ist zu beachten, dass Nissen und Läuse bekämpft werden müssen. Es empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

 Haare waschen und handelsübliche Haarspülung («Conditioner», «Haarpflege-
balsam») darauf verteilen (der daraus entstehenden «Matsch» hindert die Laus an
der Flucht).

 Strichweises Durchkämmen des gesamten Kopfhaares von der Haarwurzel
bis zur Spitze mit einem Läusekamm (in Apotheken und Drogerien erhältlich).
Nach jedem Strich soll der Kamm mit Küchenpapier abgewischt und beides auf
Läuse und Nissen untersucht werden.

 Auswaschen der Haare und nochmalige Kontrolle des nassen Haares mit dem
Läusekamm.

 Wiederholen dieses Procederes zweimal pro Woche während eines Monats –
dies, weil Nissen oft weder durch Lauskamm noch durch Shampoo zu entfernen
oder zu töten sind und deshalb jede frischgeschlüpfte Laus «von Hand» gejagt
werden muss.

Falls sich Läuse im Haar befinden – und nur dann – wird die Anwendung eines Lausshampoos empfohlen (z.B. Jacutin®). Entgegen den Angaben der Hersteller macht es wegen des Generationszyklus der Läuse Sinn, das Lausshampoo dreimal im Abstand von 7 Tagen anzuwenden.

Behandlungsalternativen

Insektizide, Petrol und einige «Produkte auf natürlicher Basis» sind toxischer als die speziellen (auch nicht ganz ungiftigen) Lausshampoos – lassen Sie das Experimentieren.

Wer keine Lausshampoos verwenden will kann den Kopf 30Minuten unter eine
Trockenhaube bei 60°C halten – eine sichere Methode gegen Läuse und deren
Eier, welche aber in der Pilatus Praxis vorderhand nicht zur Verfügung steht.

Fünfprozentigen Haushaltessig, 1 :1 gemischt mit Wasser, ins Haar einmassieren
und für 30 Minuten mit einem getränkten Tuch einwirken lassen, dies an acht auf-
einanderfolgenden Tagen… ebenfalls eine zuverlässige Methode, welche zudem ein
unvergessliches familiäres Gemeinschaftserlebnis vermittelt und auch die treuesten
Freunde Ihres Kindes für längere Zeit fernhält.


Abb 2: Mit ihren klammerartigen Greifklauen
Abb 2: Mit ihren klammerartigen Greifklauen
können Läuse das 2000fache ihres
Körpergewichts halten – vor dem Läusekamm
müssen aber auch sie kapitulieren.


Tatsachen…

Tatsache ist, dass immer mehr Läuse resistent werden gegen die herkömmlichen Lausshampoos; trösten können wir uns damit, dass uns mit dem Läusekamm – richtig eingesetzt – eine zuverlässige Alternative zur Verfügung steht. Tatsache ist auch, dass besonders clevere Läuse selten mal via Mütze, Hut, Bettwäsche, Bürste, Stofftier oder Polstermöbel den Kopf wechseln. Sie sind dort allerdings nur 2 Tage überlebensfähig, sodass man ihnen mit entsprechendem Auslüften den Garaus machen kann (verwenden Sie nicht zuviel Energie auf die Umgebungsreinigung). Es heisst aber auch, dass es ungeschickt wäre, während einer Lausepidemie Mützen, Bürsten und Haarspangen auszutauschen.

Abb 3: Lauspärchen beim Rendez-vous
  Abb 3: Lauspärchen beim Rendez-vous

…und Mythen

Mythos ist, dass Bauern- und Ausländerkinder die Schuld an Lausplagen tragen. Wahr ist hingegen, dass auf engem Raum zusammenlebende Kinder sich die Läuse leichter weitergeben. Mythos ist, dass sich ein Lausbefall mit guter Hygiene verhindern lässt – Läuse schätzen auch gepflegtes Haar. Mythos ist schliesslich, dass verlauste Kinder den Behörden gemeldet werden müssen – es gibt keine namentliche Meldepflicht bei Läusen.

Fazit

Die Kopflaus ist ein Ärgernis – mehr nicht. Heute entscheidet nicht mehr sie die Kriege, sondern andere, nicht minder lausige Kreaturen.

Haben Sie aufgepasst?

Mit etwas Allgemeinwissen und obigem Text wird es Ihnen nun leicht fallen, den ultimativen Pilatus Praxis Laustest zu lösen. Unsere Frage lautet: welche(r) der Pilatus Praxis Ärztinnen und Ärzte ist gefährdet, von der Kopflaus befallen zu werden?

a) Dr.Lischer, weil er nur mit biologischen
Shampoos Haare wäscht
b) Unsere Frauenärztin Frau Dr. Nossen,
weil sie gelegentlich Frauen mit
Filzläusen gynäkologisch untersucht
c) Dr.Wernly, weil er 2 Katzen mit
Freilauf hat (Befall durch Katzenlaus)
d) Dr.Raess, weil er Vater von 3 Kindern
zwischen 5 und 12 Jahren ist
e) Dr.Studer, weil er gerne Wollpullover
trägt (ideales Lausversteck)
f) Frau Dr.Meier, weil sie lange
Haare trägt

Lösung:
a) falsch: Haare unter 2cm Länge werden
kaum je von Kopfläusen befallen –
Haarwäsche hin oder her…
b) falsch: Im Schambereich kommt zwar
die Filzlaus vor, welche aber wegen
ihres Übertragungsweges als
Geschlechtskrankheit gilt und nicht
auf Köpfe springt.
c) falsch: Selbst wenn Dr.Wernlys Katzen
Katzenläuse hätten (was sie natürlich
nicht tun!) könnten sie diese nicht auf
Menschen übertragen – Läuse sind
streng «wirtsspezifisch».
d) richtig: Kinder zwischen 5 und 12
Jahren sind die gefährdetste
Altersgruppe für Kopfläuse und
können diese durchaus ihren Eltern
anhängen. Relativiert wird die Gefahr
im konkreten Fall dadurch, dass Dr.
Raess’ Haupthaar immer weniger
Verstecke bietet für die Kopflaus.
e) falsch: bei der Kleiderlaus handelt es
sich wieder um eine andere Gattung,
welche zwar früher als Überträger von
Krankheiten gefürchtet war, heute in
unseren Breitengraden aber kaum mehr
eine Rolle spielt. Zudem hätten wir bei
Dr.Studer bisher nie eine Beobachtung
in diese Richtung gemacht…
f) falsch: lange Haare sind zwar beliebt
bei Kopfläusen, es braucht aber zur
Ansteckung den engen Kontakt zu
Lausträgern, heute meist Kindern.

Dr. med. Andreas. Lischer
 
 
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